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5. März 2009: Aus dem Landtag auf den Müllwagen

„Schnuppertag“ beim Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim: Markus Brinkmann leert Sarstedter Altpapiertonnen
S a r s t e d t (jus). Ungewöhnlicher Jobwechsel für Markus Brinkmann: Der Landtagsabgeordnete (SPD) hat einen halben Tag lang in Sarstedt als Müllmann Altpapiertonnen geleert. Und ist dabei gehörig ins Schwitzen geraten.
Noch etwas zögerlich schiebt Markus Brinkmann die blaue Papiertonne zum Müllwagen. Die Tonne ruckelt, doch ansonsten passiert nichts. Der SPD-Politiker versucht es noch einmal und nun klappt es: Die Tonne rastet am Hebemechanismus des Wagens ein und wird automatisch in die Höhe gezogen. Mit lautem Geraschel fällt das Altpapier in das Innere des Müllwagens. „Das ist um einiges anstrengender, als ich erwartet hatte“, sagt Brinkmann, während er die leere Tonne in Empfang nimmt. Sechs Stunden hat der Landtagsabgeordnete gestern mit zwei Mitarbeitern des Zweckverbands Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) zusammen gearbeitet und dabei Hunderte von Altpapiertonnen zum Müllwagen gewuchtet. Die Idee zu dem ungewöhnlichen Jobwechsel hatte Brinkmann, als im Landtag über Altpapiergebühren diskutiert wurde. „Ich habe es damals sehr begrüßt, als der ZAH eigene Altpapiertonnen verteilt hat“, erinnert sich Brinkmann. Schließlich seien dadurch die Müllgebühren in Hildesheim und dem Landkreis stabil geblieben. Nun habe er sich angucken wollen, wie das System technisch umgesetzt wird. Und das mit vollem Körpereinsatz. Schon rollt Brinkmann die nächste Tonne zum Müllwagen und bringt sie, nachdem sie ausgeleert wurde, im Eilschritt zurück. „Der Arbeitsdruck ist hier enorm, es wird wirklich im Akkord gearbeitet“, schnauft der Politiker. Rund 700 Tonnen müssen die ZAH-Mitarbeiter in Sarstedt zwischen sechs Uhr morgens und halb drei Uhr nachmittags geleert haben. Zweimal müssen sie in dieser Zeit zur Zwischenleerung nach Hildesheim fahren, an manchen Tagen sogar dreimal. Zeit zum Ausruhen bleibt da nicht. Doch nicht nur das rasante Arbeitstempo strengt Brinkmann an. Auch das Gewicht der einen oder anderen Tonne macht dem Landtagsabgeordneten zu schaffen. Eine bis oben gefüllte Papiertonne könne bis zu 100 Kilo wiegen, erklärt Erwin Jürgens, der als sogenannter „Kipper“ für den ZAH arbeitet und gemeinsam mit Brinkmann die Altpapierbehälter zum Wagen rollt. „Da kommt man ordentlich ins Schwitzen, egal wie kalt es draußen ist“, ergänzt sein Kollege Eike Sendler, der den Müllwagen durch die engen Straßen lenkt. Wichtig sei deswegen, dass die Bürger beim Aufstellen der Tonnen darauf achteten, dass diese mit dem Griff Richtung Straße stehen. „Wenn man eine voll gefüllte Mülltonne erst noch umdrehen muss, ist das auf Dauer sehr anstrengend“, sagt Jürgens. Mit ihrem prominenten Gastarbeiter sind die beiden Müllmänner zufrieden. „Für jemanden, der ungeübt ist, macht er es wirklich gut“, meint Sendler, während er die Straße entlangfährt. Plötzlich muss er lachen: Eine Staubwolke umhüllt den Politiker, der hinten auf dem Trittbrett steht. „Ja, das staubt hier manchmal ordentlich – das muss Herr Brinkmann heute leider in Kauf nehmen“, sagt der Müllmann und grinst. Der Politiker nimmt es gelassen: „Ich muss nachher sowieso duschen.“ Und weder Staub, Stress noch schwere Mülltonnen können Markus Brinkmann davon abhalten, im Sommer erneut eine Tour auf dem Müllwagen mitfahren zu wollen. „Dann schleppe ich zur Abwechslung aber mal die grauen Restmülltonnen
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Auf das Trittbrett, fertig, los: Gemeinsam mit Erwin Jürgens (rechts) leert Markus Brinkmann die Sarstedter Altpapiertonnen. Fotos: Seiffert
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Beinahe wie ein Profi wuchtet der Landtagsabgeordnete die blaue Tonne zum Müllwagen.

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